30.10.1999 - Bsuochszit

30.10.1999 - Bsuochszit
nach dem Original "Besuchszeit" von Felix Mitterer
4 Einakter, in Lustenauer Mundart gesetzt von Otto Wund
in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Marktgemeinde Lustenau
Unter der Regie von Otto Wund spielten:
"Abstellgleis" - Ingrid Hämmerle und Erich Bösch
"Man versteht nichts" - Veronika Hofer und Manfred Holzer
"Verbrecherin" - Silvia Fitz und Martin Holzer
"Weizen auf der Autobahn" - Karin Vogel und Hanno Dreher

Aufführungsort:
REICHSHOFSAAL LUSTENAU

Aufführungstermine:
Samstag, 30. Oktober 1999, 20 Uhr Premiere
Mittwoch, 3. November, 20 Uhr
Samstag, 6. November, 20 Uhr
Sonntag, 7. November, 20 Uhr
Montag, 6. Dezember, 20 Uhr
Dienstag, 7.Dezember, 20Uhr
Mittwoch, 8. Dezember, 20Uhr
Donnerstag, 9. Dezember, 20Uhr

zusätzlich:
Montag, 22.November in den Gefangenenhäusern Feldkirch und Dornbirn
Freitag, 26.Mai 2000 im TaS, Feldkirch anlässlich Feldkircher Kulturpreis 2000
Am 3. Juni 2000 wurde das Engagement der Lustenauer Theatergruppe von der Stadt Feldkirch gewürdigt.
Bei den 2. Feldkircher Theatertagen wurden D'Luschnouar Bühne und Regisseur Otto Wund für die Inszenierung von "Bsuochszit", einer Adaption des gleichnamigen Stückes vom Tiroler Autor Felix Mitterer mit dem Kulturpreis der Stadt Feldkirch ausgezeichnet.

Auszug aus den VN vom 5.6.2000:
Die Jury (Ingrid Bertel, Kulturjournalistin des ORF Vorarlberg, Christa Dietrich, Kulturredakteurin der "Vorarlberger Nachrichten", Intendant Harald F. Petermichl vom Theater für Vorarlberg) entschied sich folgendermaßen. Zwei erste Preise an "D'Luschnouar Bühne" für Felix Mitterers "Bsuochszit" und an "Inkognito Hard" mit der "Impro Show" in der Regie von Dagmar Ullmann-Bautz. [...]
Kritik VN-Heimat von Ute Hämmerle- 18.11.99

Felix Mitterer auf "Luschnouarisch"

Lustenau (hut) "Bsuochszit" heißt das neue Stück, das die Lustenauer Bühne dieses Jahr auf dem Programm hat. Aber zum Leidwesen vieler waren die Karten für die vier Vorstellungen innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Doch das Stück fand beim Publikum so großen Anklang, dass sich das Theaterensemble entschied, Anfang Dezember noch einige Zusatzvorstellungen zu geben.

Die "Besuchszeit" von Felix Mitterer, die von Otto Wund ins Lustenauerische übesetzt wurde, besteht aus vier Einaktern, die aufzeigen, wie mühsam es für Menschen sein kann, in besonderen Situationen miteinander zu kommunizieren.
"Es hat uns immer Vergnügen und Freude bereitet, das Publikum zum Lachen zu bringen", heißt es auf dem Programm der "Luschnouar Bühne", "doch diesmal wollen wir Sie nachdenklich und betroffen machen. Es ist für uns eine Herausforderung, uns auch einmal mit ersten Stücken zu befassen."

Zuschauer waren schlichtweg begeistert
Das Wagnis hat sich gelohnt. Die Zuschauer waren begeistert, sowohl vom Stück als auch von den Schauspielern. Ingrid Hämmerle und Erich Bösch spielten den Akt mit dem Titel "Abstellgleis", Veronika Hofer und Manfred Holzer glänzten in "Man versteht nichts".
Silvia Fitz und Martin Holzer lösten beim Publikum mit "Verbrecherin" tiefe Betoffenheit aus, und Karin Vogel und Hanno Dreher begeisterten mit "Weizen auf der Autobahn".

Schöner Abend
Das Publikum war sich einig: Die Lustenauer Bühne hat eine Meisterleistung vollbracht und unter der Regie von Otto Wund den Zuschauern einen nachdenklichen, doch wunderschönen Theaterabend beschert.


Bericht VN Heimat von Veronika Hofer - 2.12.99

Nachdenkliches im Gefängnis

Lustenau. (VV) Mit den Einaktern nach Felix Mitterer´s "Besuchszeit" feiert die Lustenauer Laienspielgruppe einen sensationellen Erfolg. Auf Einladung der Strafanstalt Feldkirch spielten sie die Szenen nun auch für die Häftlinge in Feldkirch in Dornbirn.

"War die Betroffenheit bei den bisherigen fünf Aufführungen in Lustenau auf Seiten des Publikums, stellte sich diese beim Spiel in den Gefängnissen auch bei den Spielern ein!" Dies ist der einhellige Tenor der Laienschauspieler, die mit den drei Szenen (die Krankenhausszene wurde aus techn. Gründen weggelassen) die Insassen zu fesseln und aufzurütteln wußten.

Verschiedene Reaktionen
Die Reaktionen des Publikums waren gegenüber den Zuschauern im Reichshofsaal derart verschieden und teilweise auch lautstark, daß den Spielern noch einiges mehr an Konzentration und Durchsetzungsvermögen abverlangt wurde. Gab es in der Szene "Abstellgleis" (Ingrid Hämmerle und Erich Bösch) noch einige herzhafte Lacher, fühlten sich die Häftlinge besonders bei dem Einakter "Verbrecherin" (Silvia Fitz und Martin Holzer) angesprochen. Aussagen wie "hier im Gefängnis ist es ja wie im Sanatorium" oder "die gute Gefängniskost scheint dir zu bekommen" wurden mit Gejohle und Szenenapplaus bedacht. Auch waren die Sympathien der Zuschauer durchaus auf Seiten der "Verbrecherin". Gespannt verfolgten die Zuschauer auch die eindrucksvolle Szene "Weizen auf der Autobahn" (Karin Vogel und Hanno Dreher). Vierteljährlich wird den Häftlingen eine kulturelle Veranstaltung dieser Art angeboten. Von den ca. 130 Inhaftierten in Feldkirch nahmen etwa 60 das Angebot für die Theatervorstellung an und in Dornbirn erschienen fast alle der 33 Inhaftierten.


Kritik NEUE Vorarlberger Tageszeitung von Alois Summer - 9.12.99
Sprachlosigkeit und Monologe
Beachtenswertes liefert D'Luschnouar Bühne mit dem von Otto Wund in den Lustenauer Dialekt übertragenen Felix-Mitterer-Werk "Bsuochszit".
Bisher war D'Luschnouar Bühne eher auf der lustigen Seite. Doch dieses Mal hat sie sich eines Stücks mit ernstem Inhalt angenommen. Eine Herausforderung, die sie mit Bravour besteht. Das Stück "Bsuochszit" nach Felix Mitterer ist dabei hervorragend geeignet, im Dialekt gespielt zu werden. Otto Wund, der auch Regie führt, hat den Text ins Lustenauerische übertragen. Damit ist ein besinnlicher und nachdenklicher Theaterabend garantiert, der nichts an Authenzität zu wünschen übrig lässt.
In der "Bsuochszit" geht es in vier Einaktern um vier Geschichten. Sei es im Altersheim, im Krankenhaus, im Frauengefängnis oder in der Nervenheilanstalt: Jeweils kommen zwei Menschen zusammen, die einander entweder nichts mehr zu sagen haben, einander nicht verstehen oder aber einander mit Vorwürfen überhäufen. So werden meist aus Dialogen Monologe, Folge des einander Nicht-Begreifens. Lediglich im Krankenhaus kommt so etwas wie menschliche Wärme, ja Zärtlichkeit durch, allerdings mit einem tragischen Ende, die Frau (hervorragend dargestelt von Veronika Hofer) stirbt, ihr Mann (Manfred Holzer), der auch noch seine Arbeit verloren hat, weiß nicht warum, steht vor einem Rätsel.
Auch ein bisschen Humor
Aber es ist auch Platz für ein wenig Humor. So macht sich der Alte (Erich Bösch) mehrfach über die Gepflogenheiten im Altersheim lustig, seine Schwiegertochter (Ingrid Hämmerle), die die Geschichte bereits auswendig kennt, kann da nicht mehr mit und geht schließlich.
Der vielleicht beste Einakter ist die "Bsuochszit" im Frauengefängnis, vor allem, weil die Darsteller Silvia Fitz und Martin Holzer brillieren. Er, von ihr aus Verzweiflung über das triste Eheleben vor Monaten mit einem Bauchstich fast getötet, überschüttet sie mit Vorwürfen, kann sie nicht verstehen. Am Ende der bedrückenden 25 Minuten, die ihnen Zeit bleibt für ein Gespräch, fragt sie: "Kommst du wieder?" Er antwortet nur: "Nein, ich glaube nicht." Sie würde sich über alles freuen, wenn die Kinder auf Besuch kämen. "Nein", verspricht sie, sie würde ihn niemals schlecht machen vor den Kindern.
Mit "Bsuochszit" hat die Luschnouar Bühne jedenfalls den Beweis erbracht, dass sie genau so gut ernste wie lustige Stücke spielen kann.